Chronik des
GTEV Marquartstein
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Ende des vergangenen Jahrhunderts entstand eine
Bewegung zur Pflege und Erhaltung des heimatlichen Brauchtums
und der ortsgebundenen Trachten in ganz Bayern. So auch in Marquartstein,
was 1920 zur Gründung des Gebirgstrachten Erhaltungsverein
(GTEV) Marquartstein führte. Folgende Gründungsmitglieder
wurden als erste Vertreter der Vereinsgeschichte in den damaligen
Ausschuß gewählt:
1.Vorstand Bayer Martin, 2.Vorstand Gnadl Stefan, Kassier Wimmer
Franz, Schriftführer Bayer Michael, Vorplattler Körber
Ludwig, Beisitzer Bayer Blasius und Weiß Max. Während
der Gründungsversammlung waren noch anwesend:
Reiter Josef, Gnadl Josef und Wimmer Georg. Die offizielle Gründungsversammlung
fand am 18. April 1920 im Gasthof "Hofwirt zur Post"
in Marquartstein statt.
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Die Bewahrung der alten Bräuche, die Pflege
und Überlieferung des Lied- und Musikgutes sowie die Tänze
und Schuhplattler unserer Heimat waren die Ziele dieses neugegründeten
Vereins. Wie alle anderen Trachtenvereine unserer Gegend war auch
der neue Verein dem "Gauverband I" angeschlossen.
Bereits 6 Jahre später führte eine Interessengemeinschaft
der Chiemgauer Trachtenvereine zur Abspaltung. Neun der bisher
dem Gauverband I angehörenden Vereine schlossen sich zu einer
neuen Dachorganisation, dem Chiemgau-Alpenverband für Tracht
und Sitte zusammen, dessen Sitz Marquartstein wurde. Den Schwerpunkt
dieses neuen Verbandes sah man in der Stärkung der Chiemgauer
Vereine, die sich in dem großen Gauverband nicht mehr in
ausreichendem Maße vertreten sahen.
Als 1.Vorstand wurde Matthias Schrobenhauser, bis dahin Vorstand
des GTEV Marquartstein gewählt.
Am 22. August 1926 richtete der GTEV Marquartstein das Gründungsfest
des neuen Verbandes aus.
Von Jahr zu Jahr schlossen sich mehr Vereine diesem neuen Gauverband
an. Mittlerweile gehören 23 Vereine dem damals im bescheidenen
Rahmen gegründeten Dachverband an und bilden heute eine starke
Gemeinschaft.
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Seit damals haben sich die Werte,
Zielsetzungen und Ideale dieser Zeit erhalten. Nach wie vor ist
eine enge Verbindung der Trachtenvereine des Chiemgaues untereinander
notwendig, um das einheimische Brauchtum zu pflegen und nach außen
vertreten zu können.
Im September 1927 entschieden sich elf aktive Mitglieder des GTEV
Marquartstein sogenannte Berufsplattler zu werden. Sie wurden von
Prof. Müller-Wischin, einem bekannten Kunstmaler aus Marquartstein
und Förderer der Trachtensache, nach München geholt. Von
dort starteten sie Ihre Tourneen mit großem Erfolg und machten
damit den Namen Marquartstein weltweit bekannt.
Auch aus vielen anderen Vereinen des Chiemgaues fuhren jahrzehnte
lang Plattler und Musikanten in die ganze Welt. Aus diesem Kreis
entstand 1970 die Kameradschaft "Platteln - Jodeln - Tanzen
rund um die Welt". Sie hat ihren Sitz in Marquartstein und
es sich zur Aufgabe gemacht, die Kameradschaft zwischen den Teilnehmern
und die dadurch entstandenen weltumspannenden Freundschaften in
allen Kontinenten zu pflegen und zu erhalten.
Am 8. Juli 1928 beging der GTEV Marquartstein das prunkvolle Fest
seiner ersten Fahnenweihe mit Kirchenzug, Festgottesdienst, Festzug
und großem "Festball". Der Patenverein war der GTEV
Bernau (d`Staffestoana) und als Fahnenbraut konnte Frl. Anneliese
Baumgartner (Hofer) gewonnen werden. Die neue Vereinsfahne wurde
von der Fahnenmutter, Frau Margarete Leopold, während des Festgottesdienstes
offiziell ihrer Bestimmung übergeben.
Während der Festlichkeiten passierte folgendes Mißgeschick:
Der Kassierer war mit dem Geld für die Fahne, kurz vor dem
Bezahlen, "durchgebrannt" und leider auch nicht mehr gefaßt
worden. Dankenswerterweise hat jedoch der damalige Vorstand unseres
Vereins, Georg Bernhofer, das Geld für die Fahne (940 .-RM)
vorgestreckt, bis es durch Heimatabende und ähnliche Veranstaltungen
erneut verdient worden war.
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Die Ereignisse des Dritten Reiches
machten auch vor dem GTEV Marquartstein nicht halt. Aus dem Verein
wurde eine "Trachtengemeinschaft Marquartstein", die überwiegend
im Dienste der NS-Organisation "Kraft durch Freude" stand.
Es war der Verdienst unseres damaligen Vorstandes Franz Bichler,
daß Ideale und Ziele der Trachtensache auch in dieser Zeit
bewahrt wurden.
Trotzdem hinterließ der Krieg seine Spuren. 32 Vereinskameraden
sind nicht mehr in die Heimat zurückgekehrt. Der Verein widmet
Ihnen stets ein ehrenvolles Gedenken und ihre Namen stehen auf dem
Trauerband der Vereinsfahne.
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Nach dem Krieg konnte eine vom
alten Geist beseelte Trachtengruppe am 20. Januar 1946 anläßlich
eines Heimatabends mit Spiel, Tanz und Lied wieder Marquartsteiner
Brauchtum zeigen. Im Protokoll von 1946 ist hierzu zu lesen:
"Nach langer schwerer Kriegszeit hat nun die Jugend des Dorfes
das Wort ergriffen und sie haben sich zusammengefunden, Buam und
Dirndl, um die alte Tradition hoch zu halten: "Sitt und Tracht
der Alten wollen wir erhalten". Es bedurfte jedoch noch viel
Arbeit bis sich das Vereinsleben normalisierte und noch im Protokoll
von 1947 steht:
"Es haben sich an allen Veranstaltungen eine Anzahl Teilnehmer
eingefunden. Bei allem sieht man deutlich die Kriegs- und Nachkriegszeit
in jeder Form und Art der Gegenwart".
Aber nicht nur der Krieg forderte seine Opfer. Am 22. August 1965
stürzten die jungen Trachtenkameraden Hubert Gasteiger und
Ludwig Nothaft während einer Bergtour am Großglockner
bei dichtem Schneetreiben tödlich ab.
1951 erhielt der GTEV Marquartstein den Zuschlag zur Durchführung
des 25. Gaugründungsfestes. Gleichzeitig beging unser Verein
sein 30-jähriges Vereinsjubiläum. Bei herrlichem Sommerwetter,
ca.10.000 Zuschauern und 2100 Teilnehmern wurde der Festsonntag
am 22.07.1951 begangen. Es war eine gelungene Demonstration der
Zusammengehörigkeit der Chiemgauer Trachtler , ihres Brauchtums
und ihrer Identität zur Heimat.
Bis 1968 wurden jährlich bis zu 25 Almtänze, Heimatabende
und etwa 35 Proben abgehalten. Daneben beteiligten sich der Verein
auch an den örtlichen Feiern und den Festen des Chiemgau-Alpenverbandes.
Die Beiträge zur Erhaltung von Brauchtum und Tradition waren
nun fester Bestandteil des örtlichen Kulturlebens.
Zum Glück mußte sich der Verein nie um den "Nachwuchs"
Sorgen machen. So hatte unser Verein immer zehn bis zwölf aktive
Trachtenpaare für die Vereinsarbeit und bei den Veranstaltungen
aufzubieten.
Pater Johannes Mittermayer, ein Sohn unserer Gemeinde, feierte am
15.08.1960 seine Priminz. Unter Beteiligung der beiden Ortstrachtenvereine,
der Musik und der gesamten Gemeinde wurde am Wuhrbichl das eindrucksvolle
Priminzamt gefeiert.
Das Zusammenwachsen der einzelnen Ortsteile und eine Vielzahl gleicher
Interessen bewog die Vorstandschaft eine Vereinigung der beiden
Ortstrachtenvereine Marquartstein und Piesenhausen anzustreben.
Am 10 November 1968 fand die außerordentliche Hauptversammlung
im Gasthof Alpenrose statt, bei der über die Zusammenlegung
der beiden Vereine abgestimmt wurde . Die vernünftige Präsentation
der im Vorfeld mit der Piesenhausener Vorstandschaft abgesprochenen
Zusammenlegung führte zu einer fast einstimmigen Zustimmung
der Mitglieder für den Zusammenschluß.
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